Das Land der Pharaonen und Pyramiden
Der Name Ägypten ist nicht die ursprüngliche Bezeichnung des mystischen und geheimnisvollen Reiches am Nil. Die alten Ägypter selber nannten ihre Heimat Kemet, was übersetzt soviel heisst wie Schwarzes Land. Die alte Bezeichnung spielt auf den fruchtbaren, schwarzen Nilschlamm an, den der mächtige Strom bei Überschwemmungen an das Ufer spülte und der die Grundlage für den erfolgreichen Landbau bildete. Der fruchtbare Streifen macht dabei nach wie vor lediglich gut 3 Prozent der Landfläche in Ägypten aus. Die restliche Fläche besteht aus unfruchtbarer Wüste und unzugänglichem Gelände. Den noch heute gebräuchlichen Namen erhielt das ehemalige Pharaonenreich durch die griechischen Belagerer, die Ägypten im Jahre 332 vor Christi Geburt eroberten und damit das Ende der altägyptischen Epochen besiegelten.
Ihre Anfänge verzeichnet die frühe Hochkultur mit der prädynastischen Zeit, die bis in das vierte Jahrtausend vor Christus zurück reicht und an die sich die ägyptische Frühzeit, mit dem ersten Pharao Aha, mitunter auch Menes genannt, anschließt. Schon hier wurden die Voraussetzungen für den hohen kulturellen Entwicklungsstand gelegt, der weltweit einzigartig war und ist. Die Frühzeit reicht vom Jahr 3032 bis zum Jahr 2707 vor Christus. Die damalige Herrschaft wurde durch die 1. und 2. Dynastie gebildet, unter deren Führung das Reich geeint und erste Handelsbeziehungen begründet wurden. Auch die Entwicklung der Hieroglyphen und des Kalenders fallen in die ägyptische Frühzeit, in der der jeweils amtierende Herrscher als Inkarnation des Gottes Horus betrachtet wurde. Der Begriff Pharao bezeichnet erst ab der berühmten 18. Dynastie den jeweils amtierenden Herrscher. Abgeleitet von dem ägyptischen Wort “Per-aa” für “großes Haus” ist hiermit in der Vorzeit lediglich der Palast des Königs gemeint.
Der Pharao verkörpert innerhalb der ägyptischen Geschichte das Bindeglied zwischen dem menschlichen und dem göttlichen Prinzip. Als Gottkönig auf Erden obliegt es dem Herrscher die allgemeine Ordnung aufrecht zu erhalten, das Chaos zu bekämpfen und das Reich zu einen. Hierzu bedient er sich der göttlichen Unterstützung, errichtet Tempel, bringt Opfer dar und bemüht sich um eine Lebens- und Amtsführung, die es ihm erlaubt, nach seinem Tod das ewige Leben antreten zu können. Sein Tod führt zu einer 90-tägigen Trauerzeit, in der die Reichsgeschäfte ruhen. Diese Phase bot stets das Risiko einer Ausbreitung des Chaos und wurde von den Ägyptern stark gefürchtet.
Beginnend mit dem Alten Reich (2707 - 2170 vor Christus), wird die altägyptische Geschichte in vier große Epochen eingeteilt. Dem Alten Reich folgt das Mittlere Reich, das Neue Reich und schließlich die Spätzeit, die von 715 bis 332 vor Christus andauert. Jede Epoche endet mit einer so genannten Zwischenzeit. Meist war das Reich in diesen Zeitspannen zweigeteilt und vom Chaos beherrscht, bis eine neue Dynastie die Macht übernahm und geordnete Verhältnisse herstellte.
Das Alte Reich gilt als die Zeit der großen Pyramiden. Die Hauptstadt ist zum damaligen Zeitpunkt Memphis, die Herrschaft wird von der 3. bis 8. Dynastie gebildet. In diesem Zeitalter entstehen die Pyramiden von Gizeh, erbaut von den Pharaonen Cheops, Chephren und Mykerinos, die bis heute nichts von ihrer magischen Anziehungskraft verloren haben und deren Besuch im Mittelpunkt vieler Ägyptenreisen steht. Während des Alten Reiches wird der Sonnenkult zur Staatsreligion und zahlreiche Heiligtümer dokumentieren dies bis zum heutigen Tage. Mit der 8. Dynastie verliert das Reich seine Einheit und es soll 150 Jahre dauern, bis während des Mittleren Reiches wieder geordnete Verhältnisse eintreten.
Das Mittlere Reich (2119 - 1794 vor Christus) steht vor allem für die beeindruckende Entwicklung von Schrift, Kunst und Literatur. Hauptstadt ist zu diesem Zeitpunkt Theben, die Pharaonen entstammen der 11. und 12. Dynastie. Mentuhotep II. gelingt die erneute Einigung des Reiches und er schafft hiermit die Voraussetzung für den ausgeprägten kulturellen Fortschritt. Der Sonnenkult wird allmählich durch die Verehrung des Gottes Amun abgelöst und der jeweils herrschende Pharao wird als sein Sohn gesehen. Die Epoche endet mit der 12. Dynastie und setzt damit den Anfangspunkt der zweiten Zwischenzeit, die erst im Jahre 1550 vor Christus endet und innerhalb derer das wiederum ungeeinte Reich von mehr als 50 Königen regiert wird.
Mit dem Beginn des Neuen Reiches, wird im Jahre 1550 vor Christus eine weitere Epoche der altägyptischen Geschichte begründet. Die 18. Dynastie bildet mit ihren bis heute bekannten Pharaonen das Herrschergeschlecht und fördert vor allem die Baukunst. Viele der damals entstandenen Bauwerke können von Reisenden noch heute besichtigt werden, so die Tempelanlagen in Luxor, Karnak und Abu Simbel. Hatschepsut, Amenophis III., Echnaton und Tutanchamun bestimmen über das Geschick der Ägypter und dehnen das Reich vom Euphrat bis hin zum 5. Nilkatarakt aus. Während die 19. Dynastie die Position und Einheit Ägyptens weiter festigen kann, geht mit der 20. Dynastie das Neue Reich dem Ende zu und die dritte Zwischenzeit beginnt. Bis zum Jahr 714 vor Christus regieren die 21. bis 24. Dynastie, ohne dass eine erneute Vereinigung des Reiches gelingt.
Erst mit Antritt der vierten Epoche, der Spätzeit, gelingt die Wiederherstellung des gesamten Reiches, diesmal allerdings größtenteils unter der Herrschaft der Perser. Zwischen 746 und 322 vor Christus regieren die 25. bis 31. Dynastie das Nilreich und erlangen keine Stabilität, die mit den vorherigen Epochen vergleichbar war. Mit der Eroberung des einst mächtigen Nilreiches durch Alexander den Großen im Jahre 322 vor Christus endet die Geschichte des pharaonischen Ägyptens.